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Letzte Änderung:
09.12.2019

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Workshop im Bauernhausmuseum Amerang

Eine vergessene Handarbeit: Zwirnknöpfe

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Früher ein schlichter Wäscheknopf – heute farbenfrohe Schmuckstücke: handgewickelte Zwirnknöpfe in allen erdenklichen Tönen und Mustern. © Bezirk Oberbayern, Archiv Bauernhausmuseum Amerang, Aufnahme: Rosi Raab

Amerang – Begeisterung für traditionelle Handarbeitskunst kennt keine Landesgrenzen! Zumindest nicht, wenn sich im Bauernhausmuseum Amerang des Bezirks Oberbayern alles um selbstgemachte Zwirnknöpfe dreht. Da reiste Andrea Steiger-Jakob eigens aus Achendorf in Baden-Württemberg zum Kurs nach Amerang. Margret und Ellen Philipp kamen aus Kufstein, um die alte Technik zu erlernen. Der Workshop von Alexandra Fischbacher war ausgebucht. „Die meisten kennen diese Zwirnknöpfe von der Bettwäsche der Großeltern“, erklärt die Kursleiterin. „Es sind die weißen, kleinen Knöpfe aus Zwirn gewickelt. Heute sind sie wieder in Mode – nicht nur uni, sondern in allen erdenklichen Farbfacetten.“ Die kunstvollen Zwirnknöpfe werden im Kurs aus kochfestem Garn in verschiedenen Tönen und Mustern hergestellt. Heraus kommen kleine und große Exemplare, die man beileibe nicht nur für Bettwäsche hernimmt. „Sie passen auf Dirndlblusen, auf Röcke, als Verschluss auf schöne Taschen, man kann Ohrhänger draus machen oder Kettenanhänger“, so Alexandra Fischbacher. „Die Vielseitigkeit ist es, was meine Kursteilnehmer immer begeistert.“

Andrea Steiger-Jakob hatte in einer Ausstellung im Museumsdorf Kürnbach in Baden-Württemberg zum ersten Mal Zwirnknöpfe gesehen. „Die waren so schön, deshalb wollte ich das auch lernen. Im Internet fand ich den Kurs in Amerang – so bin ich gleich mit meiner Freundin übers Wochenende hergefahren.“ Drei verschiedene Muster erlernen die Teilnehmerinnen an diesem Nachmittag: den Stern, das Wagenrad und den traditionellen Wäscheknopf. Wie das geht, ist nicht so leicht erklärt. Man nehme einen Alu-Dichtring, wie ihn auch die Heizungsbauer verwenden. Das Garn wird in eine Nadel eingefädelt, dann wird der Zwirn um den Ring gewickelt. „Wir legen den Faden über den Finger, stechen von hinten in den Ring ein, machen eine Schlaufe und ziehen dann das Ganze fest“. Hört sich kompliziert an, schaut schwierig aus – ist es aber nicht, versichert die Expertin Alexandra Fischbacher.

 

 

Zwirnknöpfe existieren, seit es Bekleidung gibt, erläutert sie weiter. „An der Bettwäsche waren sie in der Regel weiß, an der Kleidung schwarz. Denn bei den Bauern wurde früher in schwarz geheiratet. Dafür hat man wundervolle schwarze Stücke gemacht.“

 

BHM2019_Zwirnknöpfe2Margret und Ellen Philipp haben flugs die ersten beiden Knöpfe gewickelt: einen im Wagenrad-Muster, einen im Stern-Muster. Sie leuchten ganz bunt in ihren Händen. „Ich kannte Zwirnknöpfe nur in weiß an der Bettwäsche“, erzählt Margret Philipp. „Als ich hergekommen bin, hat mich fast der Schlag getroffen: So viele Farben, so viele Muster! Das ist wirklich toll. Und es schaut komplizierter aus, als es ist. Man muss aber dran bleiben, damit man es nicht schnell vergisst.“ Sie und ihre Tochter Ellen sind konzentriert bei der Sache. „Da ist Geduld gefragt, aber es ist fast schon eine meditative Tätigkeit“, meint Ellen Philipp. Alle Teilnehmerinnen verbindet eines: die Freude an der Handarbeit. Christine Empl aus Rechtmehring kann gar nicht mehr aufhören, den Zwirn um die Ringe zu wickeln. „Jetzt muss ich überlegen, was ich mit den Knöpfen mache. Es gibt ja so viele Möglichkeiten. Vielleicht nähe ich mir die Knöpfe an den Dirndlrock. Oder ich nehme sie als Verschluss für eine gefilzte Tasche. Zu Jeans passt das auch gut. Es ist toll, was man mit dieser traditionellen Handarbeit alles machen kann.“

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